Veganismus - Vorteile, Nachteile und Schwierigkeiten

Bastian Schroeder Bastian Schroeder
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Ist der "Veggie-Boom" gerechtfertigt? Welche Vor- und Nachteile bietet die vegane Ernährung? Und welche Schwierigkeiten ergeben sich für Veganer im Alltag?

Veganismus - Vorteile, Nachteile und Schwierigkeiten

Der Markt für vegane Lebensmittel erlebte in den letzten Jahren einen regelrechten Hype. Mittlerweile ernähren sich mehr als 8 Mio. Menschen allein in Deutschland (ca. 10 % der deutschen Bevölkerung) ausschließlich von pflanzlich produzierten Gütern. Zu dem stetig ansteigenden Trend tragen insbesondere (soziale) Medien bei, die in der letzten Zeit zahlreiche Skandale in Schlachthöfen aufdeckten.

Grundidee des Veganismus

Die offizielle Definition von Veganismus der Vegan Society aus dem Jahr 1979 lautet zusammengefasst wie folgt: Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht, alle Formen der Ausbeutung an Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden und gleichzeitig die Entwicklung von tierfreien Alternativen zu fördern. Veganern liegt dementsprechend das Wohlergehen der Tiere sehr am Herzen und sie wollen zu einer für Mensch und Tier gerechteren Welt beitragen. Neben den Tierrechten sind für vegan lebende Menschen noch zwei weitere Aspekte von besonderer Bedeutung: Umwelt und Gesundheit.

Insbesondere bei der Fleischherstellung ist die ineffiziente Nutzung von Ressourcen ein großes Problem, welches die Umwelt zu tragen hat. Auch der Wasserverbrauch für Viehfutter und Schlachtungen ist um ein Vielfaches höher als bei direkter Herstellung von pflanzlichen Lebensmitteln. Diese Verschwendung belasten die Umwelt erkennbar und tragen zu einer der größten Problematiken des 21. Jahrhunderts bei: dem Klimawandel.

Hinzu kommt die Gesundheit, die Veganern äußerst wichtig ist. Eine Ernährung auf Basis von Getreide und Hülsenfrüchten ist gesundheitsfördernd und mittlerweile sogar unter Sportlern und Bodybuildern beliebt.

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Vorteile

Mit der Gesundheit sind wir schon in den Bereich der Vorteile eines veganen Lebensstils vorgedrungen, der viele verschiedene Aspekte beinhaltet.

Einer der größten und nahe liegenden Vorteile des Veganismus ist das Verringern tierischen Leids auf der Erde. Dabei ist nicht nur die Ernährungs-, sondern auch die Schmuck- und Kleidungsbranche gemeint. Dass die Schlachtung von Schweinen, Hühnern und Kühen leidvoll und erbarmungslos abläuft, sollte jedem Fleischesser klar sein. Doch die Ermordung von 750.000 Robben und über 20.000 Elefanten jährlich aufgrund der menschlichen Gier nach Fell und Elfenbein rückt schon einmal in den Hintergrund. Und das waren längst nicht alle Tiere, die für kommerzielle Zwecke leiden müssen. Das Ziel von Veganern ist es, dieses Tierleid kurzfristig zu vermindern und langfristig komplett zu verhindern. Für manche Menschen mit einem rein pflanzlichen Lebensstil ist auch schon das gute Gewissen, an diesem Elend der Tiere nicht mitschuldig zu sein, ein ausschlaggebendes Argument.

Ein weiterer, großer Aspekt für den Veganismus ist der Umweltschutz. Die Überweidung, Überdüngung und Schlachtung von Tieren sind Effekte, die zu immensen Emissionen und Treibhausgasen führen. So ist nicht nur die Luftverschmutzung, sondern auch die Förderung des Klimawandels eine negative Folge des Fleischkonsums. Auch Transportwege von Tieren und tierischen Gütern sind oftmals weit, wodurch Unmengen an Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt.

Das wohl ausschlaggebende Argument für einen veganen Lebensstil ist wohl die daraus resultierende Gesundheit. In früheren Zeiten wurde rein pflanzliche Ernährung fälschlicherweise als unzureichend und ungesund abgestempelt, da man davon ausging, dass ohne Grundnahrungsmittel wie Fleisch und Milch ein Mangel an lebensnotwendige Nährstoffe entstehen würde. Dass dem nicht so ist, belegen heutzutage zahlreiche Studien und Fakten. Ganz im Gegenteil: Pflanzliche Proteinquellen sind sogar gesünder und natürlicher als tierische. Vor allem Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide und Sojaprodukte weisen einen viel geringeren Fett- und Cholesteringehalt als tierische Alternativen auf. Deshalb wird der vegane Lebensstil auch in der Bodybuilder-Branche immer beliebter, da auch rein pflanzlicher Muskelaufbau durchführbar und gesund ist.

Doch nicht nur Muskelaufbau, auch Fettabbau ist mit einem veganen Lebensstil ohne Weiteres realisierbar. Tatsächlich weisen Statistiken zum Body-Maß-Index darauf hin, dass vegane Menschen meist schlanker als Menschen, die tierische Produkte zu sich nehmen, sind. Das liegt vor allem an den tendenziell hohen Ballaststoff- und niedrigen Fettgehalten in pflanzlichen Gütern, die alles andere als dick machen.

Des Weiteren spricht die Verringerung des Erkrankungsrisikos für den Veganismus. Die eben angesprochene fettarme Nahrung von Veganern senkt automatisch das Risiko, dass man von gefährlichen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sogar Krebs erwischt wird. So macht ein veganer Lebensstil auch im höheren Alter gesund und munter.

Insgesamt sprechen vor allem die Bereiche Tierschutz, Umweltschutz und Gesundheit für den Veganismus. Insbesondere letzterer Bereich scheint viele junge Menschen vom rein pflanzlichen Lebensstil zu überzeugen.

Nachteile

Doch wie jeder außergewöhnliche Lifestyle hat auch der Veganismus einige Lücken und Nachteile, die viele Menschen davor abschrecken, sich rein pflanzlich zu ernähren.

Zwar leben Veganer insgesamt gesünder, jedoch haben sie ein Problem, wenn sie tatsächlich Mal erkranken. Denn die Auswahl an Arzneimitteln, die nicht auf tierische Erzeugnisse zurückgreifen, ist äußerst gering. Vor allem Kuhmilchlaktose und Gelatine sind Zutaten, die in vielen Medikamenten nicht fehlen dürfen.

Ebenfalls nicht sonderlich gesundheitsfördernd ist die Gefahr eines Eisen- und Vitamin-B12-Mangels. Diese Mikronährstoffe sind in pflanzlichen Produkten nur unzureichend enthalten, weshalb Säuglinge und Kinder sich nicht vegan ernähren sollten. Insbesondere die Kombination aus einem Mangel von Vitamin-B12 und Eisen birgt die Gefahr einer verminderten Blutbildung, die von Müdigkeit bis zur Atemnot führen kann. Tatsächlich gibt es mittlerweile vegane Zahnpasta, die den Vitamin-B12- und Eisenmangel vorbeugen soll.

Außerdem ist für viele Veganer die Sehnsucht nach einem leckeren Steak oder einem saftigen Hamburger ein Problem. Dafür existieren zahlreiche Fleischersatzprodukte, die dem Aussehen und dem Geschmack von tierischem Fleisch nahe kommen sollen. Leider enthalten viele dieser Produkte Unmengen an Konservierungsstoffen, Salz und Fett, welche den gesunden Lebensstil zur ungesunden Ernährungsweise mutieren lässt.

Der wohl größte und für viele Menschen ausschlaggebende Nachteil des Veganismus ist der Kosten- und Zeitaufwand. Vegane Lebensmittel sind oftmals doppelt so teuer wie die Produkte mit teils tierischen Inhalten. Auch der aufwändig hergestellte Fleischersatz sowie Tofu sind kostspieliger als die umstrittenen Billig-Schnitzel. Des Weiteren ist das Kochen von pflanzlichen Gerichten äußerst zeitaufwendig, da Gemüse und Co. gereinigt, geschnitten und gebraten werden muss.

Vor allem Studenten und Arbeitenden fehlt daher oftmals das nötige Geld oder die Zeit, um sich dem rein pflanzlichen Lebensstil zu widmen. Da gönnt man sich lieber Mal eine schnelle Currywurst bei der Pommesbude von nebenan, als ein selbst gebratenes Tofu-Schnitzel mit Gemüsebeilage.

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Schwierigkeiten

Neben dem Kosten- und Zeitaufwand tun sich noch zahlreiche weitere Schwierigkeiten bei Veganern auf, die nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Vor allem Restaurantbesuche gestalten sich für rein pflanzlich lebende Menschen oftmals schwierig. Viele alt eingesessene Lokale bieten ausschließlich tierische Produkte an, wodurch sich die Essensauswahl für Veganer schon einmal auf ein bis zwei Gerichte beschränkt. Auch nervige Fragen von Fleischessern wie "Und du hast nie Hunger auf ein saftiges Steak?" oder "Aber Joghurt isst du schon, oder?" sind nicht zu umgehen und Rauben einem nach gewisser Zeit den letzten Nerv.

Nicht nur in Restaurants, auch in Supermärkten ist die Auswahl an veganen Produkten sehr beschränkt. Zwar gibt es mittlerweile vereinzelt "Veggie-Märkte", doch diese sind oftmals nur in Großstädten auffindbar und außerdem sehr teuer.

Fazit

Wer sich dem rein pflanzlichen Lifestyle und damit dem "Veggie-Boom" anschließen möchte, kann sich auf eine gesunde und natürliche Zukunft freuen. Trotzdem sollte man mit erhöhten Preisen, höherem Zeitaufwand und geringeren Essensangeboten rechnen.



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