Fructoseintoleranz im Alltag

Bastian Schroeder Bastian Schroeder
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Eine Fructoseintoleranz kann jeden mit dieser Nahrungsmitterlunverträglichkeit im Alltag vor große Herausforderungen stellen.

Fructoseintoleranz im Alltag

Diagnose Fructoseintoleranz

Fructose ist Fruchtzucker. Menschen mit einer Fruchtzuckerintoleranz haben einen gestörten Stoffwechsel. Sie können Fruchtzucker nicht richtig verdauen. Diese Störung hat zur Folge, dass die Betroffenen nur noch kleine Mengen an Fructose vertragen. Diese spezielle Nahrungsmittelunverträglichkeit hat eine Fructosemalabsorption zur Folge. Das bedeutet, dass der Körper, genauer gesagt der Darm, Nährstoffe aus der Nahrung nicht effektiv aufnehmen kann und sie somit dem Körperkreislauf nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Es handelt sich also um eine Fruchtzuckerverwertungsstörung, die zwar zu sehr unangenehmen, insgesamt aber zu eher harmlosen Verdauungsbeschwerden ohne Langzeitfolgen führt.

Normalerweise sollte Fruchtzucker schon im Dünndarm in die Blutbahn aufgenommen werden. Stattdessen gelangt er in den Dickdarm, wo er von den Darmbakterien zersetzt wird. Bei dieser Zersetzung entstehen Gase, die zu Blähungen, Bauchschmerzen und anderen Problemen führen.

Diese spezielle Nahrungsmittelintoleranz ist als Krankheit anerkannt. Es gibt für sie einen ICD-Code: E74. Diese Codes sind international gültige Verschlüsselungen. Medizinische Diagnosen auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen oder Arztbriefen sind so verschlüsselt. Der auf Erkrankungen des Verdauungstraktes spezialisierte Facharzt ist der Gastroenterologe.

In Deutschland leiden 15 bis 25 Prozent der Menschen unter einer Fructoseunverträglichkeit. Dabei ist es ein weitverbreitetes Missverständnis, dass sich Fruchtzucker nur in Früchten befindet. Fructose gibt es auch in Gemüsen, Säften, Bier, Limonaden, Honig, Fertiggerichten und in Süßigkeiten. Durch den übermäßigen Einsatz von Fructose als Süßungsmittel in der lebensmittelerzeugenden Industrie steigt die Zahl der Betroffenen. Der Darm ist nicht dafür gemacht, tagtäglich eine große Menge an Fruchtzucker zu verstoffwechseln.

Anders als bei einer angeborenen Fruchtzuckerintoleranz, bei der dem Neugeborenen ein bestimmtes Enzym fehlt, lässt sich die im Laufe des Lebens erworbene Nahrungsmittelunverträglichkeit durch eine spezielle Diät rückgängig oder wenigstens symptomfrei machen.

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Welches sind die Symptome?

Jede Krankheit weist betimmte Leitsymptome auf. Bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit sind es Blähungen und Durchfall, die durch Zersetzungsprozesse im Dickdarm entstehen. Die bakterielle Zersetzung im Dickdarm spaltet die Fructose unter anderem zu Wasserstoff, Kohlendioxid und kurzkettige Fettsäuren. Die Gase sorgen für Blähungen, die Fettsäuren für den Durchfall. Beides sind zwar Leitsymptome, kommen aber nicht bei jedem Betroffenen vor. Die Symptome für Fructosemalabsorption sind:

Diese Symptome können variieren und treten bei den Betroffenen unterschiedlich stark auf, denn die Verträglichkeitsgrenzen von Fruchtzucker sind individuell unterschiedlich. Insgesamt ähneln die Symptome denen des Reizdarmsyndroms, weswegen die Fruchtzuckerintoleranz häufig nicht erkannt wird. Die Folgen sind Nährstoffmangel, Mangel an Vitaminen wie Folsäure, Spurenelementen wie Zink und Botenstoffen wie Serotin. Serotin-Mangel verursacht wiederum Depressionen.

Wenn aufgrund der Malabsorption zu viel Fructose in den Dickdarm gelangt, vermehren sich in diesem Darmabschnitt die Bakterien. Sie gelangen dann auch in den Dünndarm. Es kommt zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darms. In einem solchen Fall ist die Darmflora komplett durcheinander. Im Darm sitzt aber das Immunsystem. Eine bakterielle Fehlbesiedlung hat eine Anfälligkeit für Infekte zur Folge. Es kommt außerdem zu Begleiterkrankungen, wie etwa Lactoseunverträglichkeit.

Was sind die Ursachen?

Der Dünndarm ist auch im gesunden Zustand nicht in der Lage, kaum mehr als 35 Gramm Fruchtzucker zu verstoffwechseln. Wird dieser Wert überschritten, kommt es auch bei gesunden Menschen zu Fruchtzuckerunverträglichkeits-Symptomen. Denn überschüssige Fructose wird mit dem Nahrungsbrei in den Dickdarm transportiert und von den hier ansässigen Bakterien zersetzt. Auch bei gesunden Menschen entstehen dann Gase und kurzkettige Fettsäuren. Auch sie bekommen dann Blähungen, Durchfall oder andere Beschwerden aus der Symptomliste. Von einer Fruchtzuckerintoleranz ist dann die Rede, wenn nicht mehr als 25 Gramm symptomfrei aufgenommen werden können.

Normalerweise gelangt der Fruchtzucker im Dünndarm mittels eines Transportproteins namens GLUT-5 direkt in den Blutkreislauf. Er wird zur Leber transportiert und dort mithilfe von Enzymen abgebaut. Dabei entstehen dann verschiedene Stoffwechselprodukte, die in die verschiedenen Stoffwechselkreisläufe einfließen. Fructose liefert dem Körper auf diese Weise Energie und dient dem Abbau von speziellen Fetten.

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Die Ursache einer Fructosemalabsorption, also einer schlechten Fruchtzuckeraufnahme, ist die Überlastung des GLUT-5. Dieses Protein kann nur eine bestimmte Dosis abtransportieren. Es bleibt also ein Teil des Fruchtzuckers im Nahrungsbrei und wandert weiter in den Dickdarm. Hier zersetzen die Bakterien der Darmflora die Fructose. Es entstehen Gase und andere Zersetzungsprodukte, die zu Blähungen usw. führen.

Schwierigkeiten im Alltag

Wer unter Fructoseintoleranz leidet, kann den Alltag nicht richtig genießen. Restaurantbesuche und Familienfeiern werden problematisch. Denn die servierten Mahlzeiten können Fruchtzucker enthalten und den Betroffenen den Tag vermiesen. Das Einkaufen wird schwieriger, weil jedes Produkt auf seine Inhaltsstoffe überprüft und die Zutatenliste gecheckt werden muss. Bei der Arbeit können Blähungen und Durchfall unglaublichen Stress verursachen, den sich jeder lieber ersparen möchte.

Es gibt aber einen einfach zu gehenden Weg aus dieser Krankheit: eine Ernährungsumstellung. Sie erfordert in der Anfangszeit etwas Selbstdisziplin, später automatisiert sich das Verhalten. Es ist wie mit allem: Wenn erst einmal eine Routine eingekehrt ist, ist alles halb so problematisch. Wenn erst einmal die ersten Erfolge zu spüren sind, werden die Einschränkungen kaum noch als solche wahrgenommen.

Fruchtzucker kommt in Obst, Gemüse und Honig natürlicherweise vor. Der Fructosegehalt ist dabei unterschiedlich hoch, je nach Sorte und Reifegrad. Je reifer, desto höher der Fruchtzuckergehalt. Äpfel, Kirschen und Rosinen enthalten aber von Natur aus viel Fructose. Beim Einkaufen ist also zu überlegen, welches Obst und Gemüse in die Einkaufstasche kommt. Allerdings geht von den künstliche gesüßten Lebensmitteln eine sehr viel größere Gefahr aus. Die meisten Betroffenen vertragen eine gewisse Dosis an Fruchtzucker. Das Essen von frischem Obst ist oftmals überhaupt kein Problem. Vor allem dann nicht, wenn es portioniert wird und die Portionen über den Tag verteilt gegessen werden. Rohkost ist insgesamt weniger gut verträglich als gekochtes, gedünstetes oder gegartes Obst und Gemüse.

Fruchtzucker macht leider nicht satt. Das liegt daran, dass er ohne die Hilfe von Insulin verstoffwechselt wird und dem Körper dadurch der Signalgeber für ein Sättigungsgefühl fehlt. Mit Fructose gesüßte Speisen machen also nicht satt. Leider gibt es davon viel zu viele, denn Fruchtzucker ist nicht nur in der Herstellung billiger als andere Zuckerarten. Er besitzt auch eine größere Süßkraft. Die Lebensmittelindustrie macht sich das zunutze und verkauft ihre Produkte sogar als Light- oder Diät-Artikel, weil sie ja „nur“ Fruchtzucker und keinen echten Zucker enthalten.

Um herauszufinden, was vertragen wird und was nicht, gibt es Tabellen speziell für Fructoseunverträglichkeit. Es geht dabei nicht um den Verzicht auf alles, was Fruchtzucker enthält. Vielmehr muss jeder Betroffene selbst austesten, wo seine persönliche Verträglichkeitsgrenze ist. Eine Fructoseintoleranz-Tabelle bietet dabei eine gute Hilfestellung.

Es gibt auch positive Aspekte!

Eine erworbene Fruchtzuckerunverträglichkeit ist zwar sehr unangenehm und kann den Alltag sehr negativ beeinträchtigen. Aber es gibt auch einige positive Aspekte dieser Krankheit. Die Grundlage dafür ist allerdings eine Ernährungsumstellung. Wer keinen Fruchtzucker verträgt, kann zwar auf andere Zuckerarten ausweichen. Aber viel besser ist es, grundsätzlich auf Zucker zu verzichten oder so wenig wie möglich davon zu sich zu nehmen.

Weniger Zucker ist nicht nur gut fürs Gewicht. Es ist auch gut für die Zähne und gut für den Blutzuckerspiegel. Insgesamt fördert der Zuckerverzicht die Gesundheit in einem sehr hohen Maße. Wer diese Tatsache erst einmal verinnerlicht hat, dem fällt es zunehmend leichter, zuckerreduziert zu essen. Es geht nicht um Verzicht. Es geht um weniger Zucker und es geht um Alternativen!

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Fazit

Eine völlig fruchtzuckerfreie Ernährung ist kontraproduktiv. Denn auf Dauer würde sich die Zahl der Zuckertransporter GLUT-5 stark verringern. Die Folge wäre, dass schon geringe Fruchtzuckermengen zu schweren Symptomen führen würden. Denn der Fruchtzucker würde aus dem Dünndarm nicht in den Blutkreislauf gelangen, sondern zum großen Teil in den Dickdarm wandern und dort bakteriell zersetzt werden. Eine bestimmte Zahl Zuckertransporter muss also vorhanden sein. Das gelingt nur, wenn sie regelmäßig „bedient“ werden. Wer sich an einen individuellen Diätplan hält, kann seine Fructoseunverträglichkeit mindern oder sogar vollständig zum Verschwinden bringen.



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